Über die Möglichkeiten gegen Lebensmittelverschwendung in Dinslaken

Eine besonders schlechte Ökobilanz hat unser Umgang mit Lebensmitteln in der heutigen Zeit.

In Deutschland landen jährlich circa 12 Millionen Lebensmitteln im Müll. Alleine aus den privaten Haushalten werden so Jahr für Jahr Lebensmittel im Wert von circa 20 Milliarden Euro entsorgt.[1] Entlang der kompletten Wertschöpfungskette bleiben Lebensmittel auf der Strecke. Angefangen auf den Feldern, auf denen krumme Karotten oder buckelige Kohlrabi direkt als unverkäuflich deklariert und entsorgt werden. Bis hin dazu, dass es sich bei niedrigen Marktpreisen für Obst und Gemüse gar nicht mehr lohnt zu ernten, weil Arbeitskraft und Zeitaufwand schlichtweg zu hoch sind. Um uns Endverbraucher:innen alles immer verfügbar zu machen, wird außerdem in allen Bereichen immer mehr produziert, als überhaupt verbraucht wird. Der Rest? Der landet meist in der Tonne.

Glücklicherweise bekommen die Überproduktionen mittlerweile, auch durch die Tafeln, in Deutschland und auch in Dinslaken, eine 2. Chance. Supermärkte geben hier alles, was sie nicht mehr verkaufen dürfen, obwohl noch genießbar, umsonst ab. Diese gespendeten Lebensmittel werden dann Menschen mit einem Berechtigungsnachweis (Hartz IV Bescheid) an Ausgabestellen von ehrenamtlichen zur Verfügung gestellt. Ein wichtiger Beitrag zur Armutsbekämpfung und Nachhaltigkeit.

Trotzdem gibt es immer noch Lebensmittel die täglich weggeschmissen werden. Was wir dagegen tun können? Seit Mai 2015 müssen Supermärkte in Frankreich übrig gebliebene Lebensmittel spenden. Lebensmittelverschwendung kann dort seither mit einer Geldstrafe geahndet werden. Bis sich bei uns die Gesetzeslage dahingehend endlich ändert, können und sollten wir aber nicht warten. Es gibt auch alltagstaugliche Möglichkeiten der Lebensmittelverschwendung entgegen zu wirken:

Sharing ist caring – Mit Hilfe von Apps und digitaler Vernetzung gegen die Verschwendung

Too Good To Go

Im digitalen Zeitalter gibt es so manche Apps, die uns helfen können nachhaltiger zu leben. Darunter zählt beispielsweise die App Too Good To Go. Hier wird dir, dank Standortübermittlung, sofort gezeigt welche Unternehmen in deiner Nähe sich gegen Lebensmittelverschwendung einsetzen. Diese Läden bieten meist einmal am Tag Lebensmittel an, die sie nicht mehr verkaufen können. Bei BackWerk am Neutor könnt ihr beispielsweise zwischen 18:15h und 18:30h für nur 3€ sogenannte Magic Bags im Wert von 10€ kaufen.  Bei BackWerk bedeutet das, ihr dürft euch an der kompletten Theke einfach selbst bedienen und auch nur die Sachen nehmen, die ihr mögt. Auch Bäckerei Brinker in der Neutorgalerie gibt abgepackte Tüten mit allerlei Backwaren für 3,90€ statt 10€ raus. In Unverpacktläden wie Allerlei Verpackungsfrei in Oberhausen oder dem Pro Biomarkt in Duisburg bekommt man für 3€/4,50€ Obst und Gemüse oder andere Produkte, bereits in Papiertüten abgepackt, im Wert von 10€/12€. Außerdem bietet real in Dinslaken Obst und Gemüse für 3€ statt 10€ an. Aber auch gastronomische Betriebe und Hotels machen bereits mit. Die Nordsee Filialen im/am Centro und am Duisburger HBF bieten beispielsweise mehrmals am Tag Fischbrötchen und Co.an. Es lohnt sich also, auch wenn ihr unterwegs seid, mal in die App zu schauen.

Dank Too Good To Go gehen Unternehmen der gesellschaftlichen Verantwortung nach, sich aktiv für unsere Umwelt zu engagieren, da sie selbst an der Lebensmittelverschwendung beteiligt sind. Indem die Unternehmen sogar noch Gewinn mit ihrer Ware generieren und wir Endverbraucher:innen auch noch einen Schnapper machen können, ist die APP einfach eine Win-Win-Win Sache.

Schön wäre es natürlich, wenn mehr Menschen und vor allem Unternehmen aus Dinslaken, sich beteiligen würden, um einen wichtigen Beitrag fürs Klima zu leisten. Also: weitersagen!

Foodsharing: Engagement über einen Fairteiler oder privat

Ihr habt noch einen ganzen Broccoli, aber keine Zeit mehr diese Woche zu kochen?
Ihr habt drei Joghurts gekauft, aber spontan entschieden ab jetzt vegan zu leben?
Der Snackschrank ist prall gefüllt, aber ihr wollt mal eine Weile euren Zuckerkonsum reduzieren?

Food Sharing (dt: Essen teilen) ist die Antwort! Der Foodsharing ist eine kostenfreie Initiative die sich gegen Lebensmittelverschwendung in Deutschland einsetzt. Die Organisation der foodsharing-Community läuft in erster Linie über die Plattform auf der Webseite oder über die Gruppen der einzelnen Fairteiler in ganz Deutschland. Ehrenamtliche engagieren sich, in dem sie gespendete Lebensmittel entgegennehmen und abholen. Diese werden dann an einem zentralen Ort der Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Sowohl Privathaushalte als auch Supermärkte, Wochenmarktstände oder Bäckereien können mitmachen. Anfang 2020 gründete sich eine Foodsharing-Gruppe in Hünxe, in der es fast täglich Lebensmittel zu retten gibt, für Dinslaken gibt es leider noch keinen Fairteiler. Wir als Verein würden uns sehr über interessierte Menschen freuen, die einen neuen Fairteiler ins Leben rufen wollen und würden diese natürlich auch unterstützen. Jetzt Mitmachen und engagieren!

Bis es soweit ist: frag doch mal Nachbar:innen oder Arbeitskolleg:innen, ob sie die angebrochene Milch noch haben möchten, bevor du dich auf in den Urlaub machst. Statt mal wieder Kekse für alle mit ins Büro zu nehmen, nimm doch die Äpfel mit, die dir vielleicht zu sauer sind. Und die goldene Regel – auch für den Geldbeutel – ist immer: Einkäufe planen und niemals hungrig losziehen. Aber auch mit der richtigen Lagerung von Lebensmitteln, können wir Lebensmittelverschwendung vorbeugen.

Abbildung der Welthungerhilfe

Schauen – riechen – schmecken – Das Mindesthalbbarkeitsdatum ist kein Wegwerfdatum

Verpackte Lebensmittel müssen ein Mindesthaltbarkeitsdatum tragen. Es gibt an, bis wann das ungeöffnete Lebensmittel bei angemessenen Aufbewahrungsbedingungen seine spezifischen Eigenschaften wie einwandfreie mikrobiologische Beschaffenheit, Farbe, Geruch, Geschmack und Nährwerte behält. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist also kein „Verfallsdatum“ oder „Ablaufdatum“, sondern die Garantie des Herstellers für das Vorhandensein der charakteristischen Produkteigenschaften bis zum angegebenen Zeitpunkt. Danach sind wir Endverbraucher:innen dafür verantwortlich durch schauen, riechen und schmecken zu entscheiden, ob das Produkt „noch gut“ ist. Generell sind unsere Lebensmittel jedoch noch laaaaange nach Ablauf des MHD genießbar, wie ihr auf der Abbilddung sehen könnt:

Wie ihr seht, auch in Dinslaken ist bewusst Leben gar nicht so schwierig.

Weitere nützliche Links:

Wochen-Speiseplan zum download:
https://www.welthungerhilfe.de/aktuelles/publikation/detail/wochen-speiseplan-gegen-lebensmittelverschwendung/

Kochbuch für Lebensmittelreste:
https://www.smarticular.net/buecher/wmnw/

Blog mit Rezepten für Lebensmittelresten:
https://toogoodtogo.de/de/blog